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Discuto
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Wolfgang |
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P3
Willst du dich am Ganzen erquicken,
so musst du das Ganze im Kleinen erblicken.
J.W. Goethe
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P6
Es knirscht an allen Ecken und Enden. Die Partei DIE LINKE und der Schriftstellerverband PEN Deutschland sind nur zwei Beispiele für unzählige andere: Die gemeinsamen Werte (!?) wie Frieden, Gerechtigkeit … Solidarität, Nachhaltigkeit ... ganz zu schweigen von Treu und Redlichkeit… sind zu hohlen Phrasen verkommen.
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P8
Zum Verständnis meiner Grundhaltung: ich (WS) bin ein Scheidungskind. Meine Eltern haben sich in der Nachkriegszeit politisch engagiert. Ich musste jahrelang in jeder Nacht mithören, wie sie sich mit besten Argumenten zerstritten. Soweit ich (damals 10...13 Jahre) das einschätzen konnte, hatten eigentlich immer beide „Recht“.
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P9
Seitdem höre ich gar zu oft eine innere Stimme verzweifelt murmeln: „Recht haben ist Scheiße.“ Sorry, sorry, sorry! Schon innerhalb von RLS und GBS und DTS und ISM und FDS ... habe ich immer mal wieder erlebt, wie viel Kompetenz Zeit und Energie darauf verwendet wurde, irgendwelche „besondere“ Positionen herauszustellen. Und noch etwas vielfältiger wird der Austausch zwischen diesen vielen „Blasen“. Wenn es nicht gerade Hahnenkämpfe um Deutungshoheit und Abgrenzung waren, hatten und haben eigentlich alle „Recht“.
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P10
Alle diese konträren Positionen stimmen nämlich durchaus zu 70-80-90% inhaltlich überein. Formaldemokratisch gesehen haben sie also alle „Recht“. Nur: praktisch nehmen sie sich damit gegenseitig Wirkung, statt gemeinsame Wirkung zu entfalten...
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P12
Viele Akteure trösten sich dann mit der „Bereicherung“ der eigenen Position. Und merken nicht, dass sie sich dabei immer weiter voneinander entfernen – denn jede und jeder nimmt ja etwas anderes auf! So kommt es ganz leise zu der oft beklagten „Zersplitterung“. Und die viele geistige und gelegentlich sogar revolutionäre Energie geht als warme Luft zum Fenster hinaus. Ich bezeichne dieses Phänomen als „Energievernichtung“ – im Bewusstsein, dass Energie nie vernichtet, sondern nur umgeformt werden kann. Aber wenn revolutionäre Energie zuvor vorhanden war, nun nicht mehr als solche wirkt – dann ist sie halt nicht mehr „da“.
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P14
Hart aber deutlich: dem heute vielgepriesenen „freien Meinungsaustausch“ fehlt der Gebrauchswert. Ein Austausch hat doch nur Sinn, wenn jeder Geber dem Empfänger etwas gibt, womit dieser „etwas anfangen kann“.
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P15
Mich beeindruckt die disruptive Einschätzung, dass der freie Meinungsaustausch in unserer Gesellschaft zu einer sterilen Chimäre verkommen ist. Etwas despektierlich gesagt: die Meinungen werden „abgesondert“, ohne dass damit ein Gebrauchswert für die Empfänger überhaupt in Betracht gezogen wird. Nüchtern betrachtet gilt das für die Kommunikation in kleinen Kreisen, wenn es wie oft gehört zum Schluss heißt: „Da haben wir aber wieder schön diskutiert!“ Und schlimmer noch, wenn die Hauptreferate auf Parteitagen eher wie ein Schaulaufen wirken.
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P17
Sorry! Aber zumindest, wenn dem erstrittenen „Recht“ keinerlei gewünschte Wirkungen beschieden ist
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P20
Mehrfach ist mir gerade von hochgeschätzten Menschen entgegengehalten worden: „Bei deinem Discuto (Verständigungsmodus) müsste ich ja meinen Mitkämpfern Zensuren geben – oder mir gar noch von ihnen Zensuren geben lassen!“ Hier zeigen sich die desaströsen Folgen einer Urdusseligkeit! Es muss doch immer wieder betont werden: Der Widerspruch zu einer Aussage berechtigt doch in den seltensten Fällen zur Abkehr von einer Person – und schon gar nicht gegenüber einer Person,



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